04.07.2017 / Medien / /

Zürcher CVP nominiert ihren Präsidenten als Stadtratskandidat

Der letzte Entscheid bei den Bürgerlichen ist gefallen: Die CVP geht mit Markus Hungerbühler in den Wahlkampf. Damit ist das bürgerliche Ticket komplett.

Jetzt ist bei den Zürcher Bürgerlichen alles klar. Die Delegierten der städtischen CVP haben beschlossen, wer für sie den Stadtratsitz von Gerold Lauber verteidigen soll. Im Restaurant Linde Oberstrass hat sich Markus Hungerbühler, Präsident der Stadtzürcher CVP, mit 35 zu 24 Stimmen gegen Nicole Barandun, Präsidentin der kantonalen Partei, durchgesetzt.Vor der Wahl sprach Markus Hungerbühler zu den Delegierten: «Aufgewachsen bin ich im Thurgau – wie man unweigerlich hört.» Aber seit 2002 lebe er zusammen mit seinem Partner in der Stadt Zürich und engagiere sich seither in der CVP Zürich. Dabei hätte er immer wieder bewiesen, dass er klar bürgerlich sei, aber eben auch Kompromisse schaffen könne. Als Beispiel strich er hier den Parkgebühren-Kompromiss heraus: «Diesen hat die CVP im Gemeinderat massgeblich ermöglicht.» Hungerbühler betonte zudem, dass es bei den kommenden Wahlen um das Sein oder nicht Sein der CVP in der Stadt Zürich gehe. «Ich bin bereit, das Zugpferd zu sein. Ich verspreche ihnen einen lustvollen Wahlkampf» Er sei zuversichtlich, dass er auch Stimmen links der Mitte holen könne. Gerade sein Engagement für die Krankenstation Friesenberg und für die LGBT-Community zeige auch seine soziale Ader.

Hungerbühler präsidiert seit 2013 die Stadtzürcher CVP und ist Geschäftsführer des Zürcher Baumeisterverbands. Der 42-Jährige ist in Zürich gut vernetzt und sitzt seit sechs Jahren im Gemeinderat. Für Aufsehen sorgte er vor einigen Jahren, als er auf einem CVP-Wahlkampfplakat sich mit seinem Lebenspartner ablichten liess. Der Slogan: «Wir sind CVP». Hungerbühler kritisierte auch die Ehedefinition in der Volksinitiaitve zur Abschaffung der Heiratsstrafe: Die Definition der Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau sei unnötig. Er selbst sieht sich als Brückenbauer über Parteigrenzen hinweg.

Schwierige Aufgabe

Die Abstimmung folgte auf eine emotionale Diskussion zwischen den Delegierten. Team Hungerbühler strich vor allem die Verdienste des langjährigen Gemeinderats heraus. Das Team Barandun hingegen die rhetorische Stärke der Präsidentin der Kantonalpartei, ihre Offenheit und das Wählerpotenzial bei den Frauen. Schliesslich ergriff der noch amtierende Stadtrat Gerold Lauber das Wort. Er empfahl Nicole Barandun: «Sie hat bessere Wahlchancen. Eine Nomination ist kein Bonus für die Verdienste in der Stadtzürcher CVP. Wäre sie das, dann hätte Markus Hungerbühler die Nomination bestimmt verdient.» Gemeinderat Reto Rudolf passte das Votum Laubers nicht: «Ein bisschen mehr Zurückhaltung würde einem amtierende Stadtrat gut tun.» Die Gemeinderatsfraktion empfahl Markus Hungerbühler zur Wahl – und setzte sich schliesslich durch.

Die Aufgabe, die Hungerbühler jetzt übernimmt, ist schwierig. Er muss den CVP-Sitz von Gerold Lauber verteidigen. Doch die CVP kam bei den letzten Gemeinderatswahlen 2014 nur auf einen Wähleranteil von 4,6 Prozent. Zum Vergleich: Die SVP hat einen Wähleranteil von 17,3 Prozent und ist damit zweitgrösste Partei, ist im Stadtrat aber nicht vertreten. Oder die GLP: Sie hat keinen Sitz in der Stadtregierung, obwohl sie mit 10,2 Prozent fast einen doppelt so hohen Wähleranteil hat wie die CVP. Doch bereits vor elf Jahren rechneten viele damit, dass Lauber den CVP-Sitz nicht verteidigen könne.

Markus Hungerbühler komplettiert mit der Nominierung das bürgerliche Fünferticket für die Stadtratswahlen. Stadtrat Filippo Leutenegger und Gemeinderat Michael Baumer treten für die FDP an. Susanne Brunner und Roger Bartholdi sind ebenfalls heute Abend von der ausserordentlichen SVP-Delegiertenversammlung als Kandidierende bestätigt worden.

Bei den Erneuerungswahlen im März 2018 treten abgesehen von Gerold Lauber (CVP) und Andres Türler (FDP) alle bisherigen Stadträte noch einmal zur Wahl an.

Quelle: Patrice Siegrist | tagesanzeiger.ch

 

Soll Gerold Laubers Sitz verteidigen: Der 42-jährige Präsident der CVP Stadt Zürich, Markus Hungerbühler. Bild: Reto Oeschger