13.11.2017 / Wocheninterview / /

Wolff-Entscheid: «Falsch und kurzsichtig»

Markus Hungerbühler, Stadtrat Filippo Leutenegger kandidiert für das Stadtpräsidium. Nun hat er die Trennung von seiner Frau bekannt gegeben. Ist das ein Handicap?

Es handelt sich klar um den Bereich der Privatsphäre. Das geht die Öffentlichkeit nichts an – und glücklicherweise interessieren solchen Themen in der Schweiz die Bevölkerung nur wenig. Jeder Mensch hat eine Privatsphäre – und es ist richtig, dass diese bei uns noch respektiert wird.

Die Unfälle mit Velofahrern haben in der Stadt Zürich in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent zugenommen. Nun sollen Velofahrer auf ihr Vortrittsrecht verzichten, um Unfälle zu verhindern. Ist das ein richtiger Ansatz?

Die Zunahme an Unfällen mit Velofahrern ist vor allem wegen der Zunahme der E-Bikes sprunghaft angestiegen. Der Ansatz kann aus meiner Sicht diskutiert werden – ich bin aber nicht sicher, ob er der Weisheit letzter Schluss ist. Viel wichtiger erscheint mir, dass sich auch die Velofahrer vermehrt an die Verkehrsregeln halten – und zwar konsequent.

Die Stadtpolizei Zürich wird in Medienmitteilungen nicht mehr die Nationalität von Opfern und Tätern aufführen. Ist das gut oder schlecht?

Der Entscheid von Stadtrat Richard Wolff offenbart seine Gesinnung. Der Entscheid ist falsch und trägt vielmehr dazu bei, dass Spekulationen erst recht ins Kraut schiessen werden. Sonst beruft man sich gerne aufs Öffentlichkeitsprinzip. Genau jetzt soll dies nicht gelten. Man sollte sich aufs Öffentlichkeitsprinzip nicht nur dann berufen, wenn man es für politisch gerade opportun hält. Der Entscheid von Richard Wolff ist falsch und kurzsichtig – kommt uns aber durchaus entgegen.

Welche Lehren ziehen Sie als Politiker aus dem Desaster in Katalonien?

Dass man Gespräche führen soll, um Probleme zu lösen. Verhaftungen gewählter Volksvertreter mit Strafandrohungen von bis zu 30 Jahren Haft wegen Rebellion sind wenig zielführend. Offensichtlich haben sich beide Seiten in die Sackgasse hineinmanövriert – und keine der beiden Seiten weiss mehr, wie man gesichtswahrend aus der Sackgasse herauskommt.

Der Uno-Menschenrechtsrat empfiehlt der Schweiz unter anderem Massnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungsgremien. Was halten Sie davon?

Ich habe zwar Verständnis für die Empfehlung, bin aber nicht sicher, ob sie wirklich sinnvoll ist. Generell bin ich bei Quoten skeptisch. Man kann das nur schwer verordnen.

 

Interview: Anton Ladner, Redaktionsleiter «Doppelpunkt»