29.08.2017 / Wocheninterview / /

«Bondo macht vieles deutlich»

Politiker blicken vorwärts und machen Versprechungen. Markus Hungerbühler schaut auch zurück, benennt die Dinge. Damit wird nachvollziehbar, wofür der Zürcher CVP-Stadtratskandidat einsteht, Woche für Woche im Interview.

Markus Hungerbühler, in Bondo kommt der Berg nicht zur Ruhe, die Menschen haben Angst, in ihr Dorf zurückzukehren, und in Texas steht Houston unter Wasser. Was lösen diese Bilder bei Ihnen aus?

Sie verdeutlichen, dass die Natur macht, was sie will. Der Mensch ist den Naturgewalten gegenüber machtlos und muss sich deshalb anpassen. Darum muss er sich auch die Frage stellen, ob diese Ereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen und ob er die Folgen aus diesen Veränderungen wirklich im Griff hat. Bondo macht vieles deutlich.

Es zeichnet sich ab, dass durch den Klimawandel in den Schweizer Bergen enorme Investitionen notwendig werden.

Ich glaube, Bondo zeigt ganz klar, dass in diesem Bereich noch viel zu leisten ist. Wir wollen nicht, dass sich entlegene Bergorte weiter entvölkern. Wir müssen deshalb für die Sicherheit sorgen, was ja in den letzten Jahren mit Lawinenverbauungen auch der Fall war. Aber in Zukunft werden wohl grössere Investitionen in den Berggebieten notwendig. Wir müssen zu unserer Bergbevölkerung Sorge tragen.

Das Verlagsunternehmen Tamedia baut um. Ab 2018 wird aus Kostengründen eine Zentraldirektion die nationalen Themen für zehn Bezahltitel, darunter «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Bund» und «Landbote», bearbeiten. Das sei nicht zum Wohl der Demokratie, wird nun kritisiert.

Wir haben ja bereits eine Pressekonzentration hinter uns. Vor dreissig Jahren gab es bei den Parteizeitungen ein grosses Sterben. Damals hiess es, dass dadurch die Meinungsbildungsprozesse tangiert würden. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Die Meinungskonkurrenz blieb erhalten. Aber es ist zweifellos so, dass die Printmedien heute vor grossen Herausforderungen stehen.

Informationen sind online gratis verfügbar. 

So ist es, und dafür haben auch die Verlage mit ihren Gratiszeitungen gesorgt, die sehr stark gelesen werden. Das führte auch zu einem gewissen Kannibalismus. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Meinungsvielfalt erhalten bleibt. Sie sucht sich neue Wege.

Die Schweiz schneidet in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität – der Wertschöpfung pro eingesetzte Arbeitseinheit – unterdurchschnittlich ab. Laut Bundesamt für Statistik hat sie seit 1995 pro Jahr nur um 1,1 Prozent zugenommen. Ist das ein Grund zur Beunruhigung?

Nein, das wäre auf einem sehr hohen Niveau gejammert. Und man muss auch bedenken, dass ein grosser Teil der Produktivitätssteigerungen auf Digitalisierung und auf Robotertechnologie basiert, was zulasten der Arbeitsplätze geht. Die Produktivitätssteigerung darf nicht als höchster Wert gesehen werden. Es gilt auch soziale Faktoren zu berücksichtigen.

Interview: Anton Ladner | Redaktionsleiter «Doppelpunkt»