04.10.2017 / Wocheninterview / /

«Wenn jetzt weiterhin keine Konsequenzen gezogen werden, wann dann?»

Markus Hungerbühler, in Anwesenheit von CVP-Bundespräsidentin Doris Leuthard und Roger Federer wurde das 13. Zurich Film Festival eröffnet. Macht Sie das stolz?

Ja, natürlich. Es zeigt, wie sich das Zurich Film Festival in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Es ist eine feste Grösse geworden – auch in der Stadt Zürich.

Rentner haben im Durchschnitt ein erheblich höheres Vermögen als Berufstätige. Das zeigen neue Steuerdaten aus dem Kanton Zürich. Ist das eine sinnvolle Entwicklung?

Es ist zu begrüssen, wenn auch Rentnerinnen und Rentner vermögender werden. Das hilft zu guter Letzt auch, unsere Sozialwerke zu schonen, und sorgt dafür, dass jene Personen finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, die auch wirklich darauf angewiesen sind und dies nötig haben.

Die Regionalregierung von Katalonien will in wenigen Tagen die Unabhängigkeit ausrufen. Steht jetzt die Europäische Union der Nationalstaaten auf dem Spiel?

Das glaube ich nicht. Dennoch ist die Entwicklung besorgniserregend. Vor allem weil natürlich die spanische Polizei beim Unabhängigkeitsreferendum vom vergangenen Sonntag mehr als unschöne Bilder geliefert hat: Prügelnde Polizisten gegen friedliche Personen – unter anderem auch gegen Rentnerinnen und Rentner – werden in Katalonien wohl nicht unbedingt die Sympathien für Madrid erhöhen. Im Gegenteil: Sie spielen in erster Linie der Regionalregierung von Katalonien in die Hände.

Brexit und Katalonien zeigen, dass an der Urne entschieden wird, ohne die Folgen zu kennen. Ein unabhängiges Katalonien müsste aus der EU austreten und hätte keinen Euro mehr. Was läuft da falsch?

Weder in Spanien noch in Grossbritannien ist die direkte Demokratie etabliert. Normalerweise bestimmen die Wählenden alle paar Jahre via Wahlen über die Zukunft der Regierung und des Landes. Bei diesen einmaligen Plebisziten wie zum Brexit und jetzt in Katalonien werden vor allem Bauchentscheide gefällt. Man will der EU und/oder den Regierenden eins auswischen. Die Konsequenzen bedenkt man nicht und ist dann entsprechen überrascht, wenn, wie beim Brexit, plötzlich etwas eintritt, womit man nicht wirklich gerechnet hat. Die direkte Demokratie auf Probe kann nicht gut gehen.

In den USA wird nach dem Blutbad von Las Vegas einmal mehr der leichte Zugang zu Waffen diskutiert. Wird sich jetzt etwas ändern?

Es bleibt zu hoffen, obwohl ich skeptisch bin, ob es sich nun endlich ändert. Die Waffenlobby in den USA ist bekanntlich sehr mächtig. Wenn jetzt weiterhin keine Konsequenzen gezogen werden, wann dann? Eine Änderung ist man den vielen unschuldigen Opfern schuldig.

 

Interview: Anton Ladner | Redaktionsleiter «Doppelpunkt»