29.03.2017 / Medien / /

Stadtzürcher Parlament will in Mundart debattieren

Reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, das wollen die Stadtzürcher Parlamentarierinnen und Parlamentarier auch weiterhin. Ein Antrag, die Debatten während eines halben Jahres versuchsweise auf Hochdeutsch zu führen, wurde deutlich abgelehnt.

Bis in die 1970er-Jahre trugen die Zürcher Gemeinderäte ihre Voten auf Hochdeutsch vor. Erst im Nachgang der 68er-Bewegung schwenkten zunächst die linken Parteien auf Dialekt um.

Heute wechseln die Gemeinderäte jeweils in die Schriftsprache, wenn Gäste auf der Tribüne sitzen, die kein Schweizerdeutsch verstehen. Dies war am Mittwoch der Fall. Behandelt wurde sinnigerweise ein Beschlussantrag von CVP-Präsident Markus Hungerbühler, in dem er einen befristeten Versuch mit Hochdeutsch forderte.

Hungerbühler versprach sich davon Grundlagen, die zeigten, dass der Rat dank Hochdeutsch effizienter und sachlicher arbeitet und die Debatten sich nicht mehr «am Rande des Anstandes» bewegen. Dafür nehme er einen Verlust an Lebendigkeit in Kauf, sagte Hungerbühler.

Sein Antrag stiess jedoch nur auf wenig Gegenliebe – auch in der eigenen Partei. Lediglich 29 Ratsmitglieder sagten Ja, 80 waren dagegen, und 6 enthielten sich der Stimme.

Die Gegner wollten an der «Lebendigkeit und Lebhaftigkeit» der Diskussionen keinen Abstrich machen. Mit Mundart sei man authentisch und volksnah. Man sei ein lokales Parlament und müsse lokale Lösungen erarbeiten, das gehe auf Dialekt besser.

Viele waren zudem auch überzeugt, «dass Effizienz nicht durch die Sprache erreicht wird, sondern durch die Voten». Die SVP war gar überzeugt, dass die Effizienz sinkt, wenn man Hochdeutsch debattiert.

Einige witterten im Vorstoss eine «Disziplinierungsmassnahme ohne grossen Wert». Gerade diese Disziplinierungsmassnahme stiess jedoch bei einzelnen auf Interesse. Man gewinne eine Denksekunde, es gebe «einen Bremseffekt gegen Ausfälligkeiten». Niveaulos könne man auch auf Schriftdeutsch unterwegs sein – fand jedoch die Mehrheit und lehnte den Vorstoss ab.

Anders als im Gemeinderat muss im Zürcher Kantonsrat Hochdeutsch gesprochen werden. So steht es dort in der Geschäftsordnung.

Quelle: teletop.ch

 

Der Gemeinderat der Stadt Zürich tagt jeweils im Rathaus am Limmatquai. (Bild: Google Street View)