13.09.2017 / Wocheninterview / /

«Ohne Mitmenschlichkeit gelingt langfristig nichts.»

Seit über einer Woche stehen Sie morgens um sieben Uhr auf der Strasse und werben für sich als Stadtratskandidat. Wie sind die Reaktionen?

Ich bin überwältigt von der Sympathie, die mir entgegengebracht wird. Das hat mich wirklich überrascht. Oft kommen Menschen auf mich zu und suchen das Gespräch.

Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, die Leute schätzen, dass Ehrlichkeit und Transparenz bei mir keine Floskeln, sondern Ausdruck meiner Haltung sind. Und ich stehe für die CVP, die sich für liberal-soziale Positionen stark macht. Ich möchte dabei auf Werte setzen, die sich bewährt haben. Ein solcher Wert ist die Konkordanz, gemeinsam Lösungen finden, statt sich mit Opposition zu blockieren. Das ist die Stärke der CVP: Vermitteln und dadurch Lösungen ermöglichen.

Oft wird die CVP als konservativ bezeichnet und dadurch negativ wahrgenommen.

Weil man konservativ mit reaktionär verwechselt. Die CVP setzt sich aber für gesellschaftliche Werte ein.

Wie meinen Sie das?

Heute besteht die Tendenz, sich einerseits ins Private zurückzuziehen, nur noch dafür bezahlen zu wollen, was man wirklich nutzt, was zu einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft führt. Andererseits neigt man in Zürich dazu, dem Staat und der Verwaltung die Verantwortung für jeden Lebensbereich zu übergeben. In der Eidgenossenschaft haben sich aber Eigenverantwortung und Solidarität bewährt, die Anteilnahme, das Einstehen füreinander. Das sind Werte, welche die Schweiz geprägt haben. Für diese Werte stehe ich ein.

Kommt diese Botschaft auf der Strasse an?

Eindeutig. Das ist das Überraschende. Ich stehe für moderne gesellschaftliche Verhältnisse, aber auch für Werte, die für ein gelungenes Zusammenleben essenziell sind, typisch liberal-sozial halt. Das merken die Leute, mit denen ich ins Gespräch komme. Ohne Mitmenschlichkeit und Achtsamkeit gelingt langfristig nichts.

Heute steht fest, dass in Zürich die Abfallwirtschaft ein Staat im Staat war. Welche Lehren sind daraus zu ziehen?

Es zeigt sich einmal mehr, dass auch wir in Zürich vor solchen Missständen nicht gefeit sind. Die Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission ist daher folgerichtig, die vollständig Licht in die Ungereimtheiten zu bringen hat und auch die notwendigen Lehren daraus ziehen kann.

 

Interview: Anton Ladner | Redaktionsleiter «Doppelpunkt»