05.09.2017 / Wocheninterview / /

«Mein Bauchgefühl sagt: Ignazio Cassis»

Markus Hungerbühler, sind Sie überrascht, dass im Fernsehduell Bundeskanzlerkandidat Martin Schulz so klar Bundeskanzlerin Angela Merkel unterliegt?

Das hat mich absolut nicht überrascht. Angela Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin, es ist somit nicht ihr erster Wahlkampf. Sie verfügt über eine geschickte Strategie, um Angriffe an sich abprallen zu lassen. Martin Schulz hatte am Anfang bei der Nominierung zum Bundeskanzlerkandidaten einen Höhenflug, inzwischen ist er aber ziemlich abgesackt. Vom Wirbelwind, den man sich von einem neuen Kandidaten versprochen hat, ist nur ein laues Lüftchen geblieben.

Ist der Bundestagswahlkampf damit schon gelaufen?

Man kann davon ausgehen, dass die CDU ein gutes Resultat erzielen wird.  Ob so gut wie vor vier Jahren wird, ist allerdings offen. Die grosse Frage wird sein, wie die Koalition mit der CDU/CSU aussehen wird. Wegen der Fünfprozenthürde kann es da zu Überraschungen kommen.

Neben Filippo Leutenegger von der FDP will jetzt auch Andreas Hauri von den Grünliberalen Corine Mauch aus dem Stadtpräsidium drängen, und zwar mit ganz vielen bunten Ideen. Welche Chancen geben Sie ihm?

Seine Chancen sind gering. Es gibt aber nichts einzuwenden, dass er auch kandidiert. Es geht dabei vor allem darum, die Grünliberalen ins Gespräch zu bringen. Das ist bei Wahlen legitim. Von Chancen kann man aber nicht sprechen. Ich denke, das weiss Andreas Hauri auch.

Bei den drei FDP-Bundesratskandidaten sieht das anders aus. Die FDP präsentiert der Bundesversammlung drei Optionen für den Bundesrat. Ist das der Weg des geringsten Widerstands oder eine kluge Strategie?

Dieser Entscheid fiel knapp. Aber ich glaube, man wollte niemanden verärgern. Man wollte nicht die Frauen verärgern, nicht die Anhänger des Shootingstars Pierre Maudet, aber auch nicht die Tessiner, die nach dem Rücktritt von CVP-Bundesrat Flavio Cotti 1999 auch wieder im Bundesrat vertreten sein wollen.

Wagen Sie eine Prognose?

Prognosen sind bei Bundesratswahlen immer schwierig. Da kommt ja noch die Nacht der langen Messer und ein Sprengkandidat ist nie ausgeschlossen. Mein Bauchgefühl sagt: Ignazio Cassis wird gewählt.

Bedauern Sie, dass der Sommer vorbei ist, oder freuen Sie sich auf den Herbst? 

Ich freue mich auf den Herbst, weil mir die bunten Wälder gefallen und es nicht mehr so warm ist. Ich mag deswegen auch den Frühling. Der Sommer ist mir meistens zu warm, der Winter oft zu kalt.

Also sind Sie auch bei den Jahreszeiten der Mitte verpflichtet.

Genau, auch hier gilt für mich die Mitte.

 

Interview: Anton Ladner | Redaktionsleiter «Doppelpunkt»