01.02.2018 / Medien / /

Interview mit Markus Hungerbühler im Tagesanzeiger

«Von Anbiederung kann keine Rede sein»

Mit Markus Hungerbühler sprach Rafaela Roth.

Markus Hungerbühler wird als schwer fassbar, mit politischer Fassade und anbiedernd kritisiert.

Herr Hungerbühler, wer sind Sie?
Ich bin Markus Hungerbühler, aufgewachsen in der Ostschweiz, seit über 15 Jahren in Zürich. Politisch interessiert und engagiert, lösungsorientiert, umgänglich und offen für Neues.

Man sagt, Sie seien politisch schwer einzuordnen. Überrascht Sie das?
Ja, sehr. Ich würde mich als gut fassbar einschätzen. Aber selbstverständlich ist niemand das reine Parteiprogramm, auch ich nicht.

Wo weichen Sie ab?
Ich bin gesellschaftspolitisch sicher liberaler als viele in der CVP. In Zürich ist diese Abweichung aber nicht sehr gross.

Kritiker unterstellen Ihnen, dass Ihre Scharfmacher-Rolle eine politische Fassade sei. Stimmt das?
Ich würde mich nicht als Scharfmacher bezeichnen, aber ich kann – vielleicht eher untypisch für einen CVPler – auch mal Klartext reden. Ich analysiere Problemfelder, gestützt auf Fakten, bilde mir eine Meinung und stelle entsprechende Forderungen.

Sie wollen die Polizeidatenbank Gamma wieder einführen und das Koch-Areal räumen.
Ja, ich will, dass Zürich sicher bleibt. Das Koch-Areal ist ein Sinnbild für die «Laisser-faire»-Politik des links-grünen Stadtrates der letzten Jahre. Ich bin klar der Meinung, dass die Datenbank Gamma hilfreich war, gerade um Chaoten und Hooligans aufzuzeichnen, und sie deshalb wieder eingeführt werden soll. Auch das Volk hat ihr zugestimmt.

Ihre Gegner nehmen Ihnen Ihre Law-and-Order-Haltung nicht ab. Ihre Beziehung zur SVP wirke nahezu anbiedernd.
Das stimmt nicht. Die Leute in den anderen Parteien kennen mich. Ich setze mich mit meinem Wahlkampfslogan für gleiche Rechte für alle ein. Das wird nun zu Law and Order hochstilisiert. Von Anbiederung kann keine Rede sein.

Sie fordern im gleichen Slogan mehr LGBT-Rechte und Einschränkungen bei anderen Rechten. Ein Spagat?
Nein, das ist, was der Bürger in Zürich will. Er will, dass alle gleich behandelt werden, ohne Ausnahmen. Das Motto kann man auf ganz viele Themen anwenden. Hausbesetzungen sind grundsätzlich illegal. Auch Besetzer müssen sich ans Recht halten. Man kann nicht Gastro­nomen büssen, wenn das Stuhlbein ein paar Zentimeter auf dem Trottoir steht, und wegschauen, wenn Besetzer lebensgefährliche Bauten ohne Baubewilligung erstellen. Der Gastronom muss zudem Mehrwertsteuer zahlen, wenn er Eintritt verlangt und Getränke verkauft. Die ­Besetzer nicht.

Sie haben allerdings mit der Entscheidung für die Leihmutterschaft etwas gemacht, das in der Schweiz verboten ist.
Die Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten, das ist richtig. In anderen Ländern ist sie aber legal und entsprechend geregelt. Durch die Inanspruchnahme einer amerikanischen Leihmutter wird kein Schweizer Recht verletzt. Ich bin der Meinung, dass Homosexuelle Kinder sollen adoptieren dürfen. Darüber hinaus hat das Thema Leihmutterschaft nichts mit dem Wahlkampf zu tun.

Warum nutzen Sie Ihr modernes Familienmodell nicht im ­Wahlkampf, um das verkrustete Modell der CVP aufzulockern?
Das mache ich ja. Ich bin für Tagesschulen und stehe ein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle Familienmodelle. Ich mache kein Geheimnis aus meiner Familie, aber ich möchte auch nicht auf ein Thema reduziert werden. Zudem möchte ich meine Privatsphäre so gut wie möglich schützen.

Der Gay-Community stösst es sauer auf, dass Sie in Schwulen-Magazinen gleichzeitig sich und die anderen Bürgerlichen aus dem Top-5-Ticket zur Wahl empfehlen.
Top 5 ist mein politischer Verbund. Dazu stehe ich. Mich stört es nicht, dass die anderen Kandidaten in diesen Fragen nicht mit mir übereinstimmen.

Auch, dass Sie die Ehedefinition in der CVP-Familieninitiative erst sehr spät kritisierten, kam nicht gut an.
Mein Standpunkt war immer klar: Ich war wegen dieser unnötigen Ehedefinition gegen die CVP-Initiative und habe diese Position auch parteiintern vertreten. Die Abschaffung der Heiratsstrafe ist dennoch überfällig.

Sie als Vielflieger: Haben Sie keine Bedenken wegen Ihres ökologischen Fussabdrucks?
Ja, ich fliege etwas öfter als andere. Reisen ist mein Hobby. Ansonsten versuche ich, mich ökologisch vernünftig zu verhalten.

Quelle: tagesanzeiger.ch