02.11.2017 / Wocheninterview / /

FCZ: «Die Vollidioten sind auch Fans»

Markus Hungerbühler, FCZ-Präsident Ancillo Canepa bezeichnet gewaltbereite Fans als «primitive Vollidioten». Das seien «keine Fans». Teilen Sie das Urteil?

Nur bedingt. Diese gewaltbereiten Fans sind tatsächlich Vollidioten. Wenn Ancillo Canepa behauptet, es seien keine Fans, dann macht er es sich allerdings zu einfach. Natürlich sind es Fans. Die Allgemeinheit darf erwarten, dass sich die Clubs dieses unappetitlichen Problems annehmen, statt die Verantwortung abzuschieben oder es zu negieren. Gerade solche Ausschreitungen gefährden auch das Projekt für ein neues Fussballstadion. Dessen sollten sich die Clubs bewusst sein.

Das Zürcher Obergericht hat entschieden, dass sich ein ehemaliger Stadtpolizist im Umgang mit einer Prostituierten nicht strafbar gemacht habe. Sind Sie überrascht?

Ich halte es generell so, dass Politiker Gerichtsurteile nur beschränkt kommentieren sollen – wenn überhaupt. Die dritte Gewalt im Staat ist unabhängig und hat Recht zu sprechen und auszulegen. Aber ja, ein wenig überrascht hat es mich schon. Nur ist dieser Fall in der gesamten «Chilli’s»-Affäre ein Nebengleis.

Der Flughafen Zürich darf laut Bundesgericht jetzt bei zwei Pisten Schnellabrollwege bauen. Kritiker befürchten, dass dies zu mehr Flügen führt. Hat das Bundesgericht weise entscheiden?

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Einwendungen der flughafenkritischen Verbände vom Tisch gewischt. Kapazitätsmässig wäre nach dem Bau der Schnellabrollwege nur eine leichte Steigerung von zwei Landungen pro Stunde möglich, was unerheblich ist. Doch aus Sicherheitserwägungen sind die Abrollwege und die Pistenverlängerungen dringlich. Sie führen zu einem sichereren Betrieb und sorgen dafür, dass die gelandeten Flugzeuge schneller als heute die Landepiste verlassen können.

Saudi-Arabien wagt einen weiteren Tabubruch: Ab 2018 soll Frauen in drei Sportstadien der Zutritt erlaubt sein, sofern sie mit ihren Männern kommen. Ab nächstem Juni dürfen Frauen in Saudi-Arabien auch Auto fahren. Zugeständnisse, weil der Druck in der Gesellschaft zunimmt oder Ausdruck eines grundsätzlichen Wandels? 

Es scheint ein Fortschritt zu sein, wenn auch nur ein sehr kleiner. Ich glaube, auch in Saudi-Arabien wird sich der Zeitgeist ändern und eine Öffnung der Gesellschaft stattfinden – allerdings wird das Tempo wohl nicht unseren Vorstellungen entsprechen.

 

Interview: Anton Ladner, Redaktionsleiter «Doppelpunkt»