14.07.2017 / Medien / /

Der wandelnde Widerspruch der Zürcher CVP wechselt vor dem Wahlkampf Windeln

Markus Hungerbühler politisiert für die CVP, ist homosexuell und seit kurzem Vater eines Kindes von einer Leihmutter. Jetzt will er als strammer Bürgerlicher auch noch in den rot-grünen Zürcher Stadtrat. Wie passt all das zusammen?

Eine Bitte hat er: «Keine Kinderkleider mehr in Pink!» Seit Markus Hungerbühler vor knapp 6 Wochen Vater einer Tochter geworden ist, wird er überhäuft mit Strampelanzügen und Söckchen. «Wir ertrinken fast darin», sagt er und lacht. «Das ist ja alles furchtbar nett gemeint, aber es reicht langsam.» Man merkt es: Hungerbühler möchte zur Tagesordnung übergehen, möchte über seine Wahlkampfthemen sprechen, über Politik, nicht über Privates. Doch das ist gar nicht so einfach. Vor allem wenn sich die Politik – wie in Hungerbühlers Fall – so stark mit dem Privaten vermischt.

Letzte Woche haben die Delegierten der CVP-Stadtpartei den 42-jährigen Historiker und Geschäftsleiter des regionalen Baumeisterverbands mit 35 zu 24 Stimmen für die Stadtratswahlen vom kommenden Frühling nominiert. Dabei erwähnte er in einem Nebensatz, dass er vor kurzem Vater geworden sei. Ein Anlass zur Freude, könnte man meinen – jedoch nicht für alle. Das vermeintliche Problem: Hungerbühler ist homosexuell, lebt seit vielen Jahren mit seinem Partner zusammen; das Töchterchen wurde von einer Leihmutter in den USA ausgetragen.

Von Parteimitglied angeschwärzt

Das war zu viel für einige anonyme Mitglieder der «Wertepartei» CVP. Sie schwärzten den frisch gekürten Stadtratskandidaten bei der Presse an. Eine Leihmutterschaft lasse sich mit der Partei mit dem C im Namen nur schwer vereinbaren, zitierte «20 Minuten». Astrid Hirzel, Vizepräsidentin der Partei, spricht auf Anfrage von einer Einzelmeinung. Hungerbühler werde von der breiten Basis getragen. An der Delegiertenversammlung sei keine Kritik an der Leihmutterschaft laut geworden, parteiintern auch davor und danach nicht. Bei der Person, die vor allem gegen Hungerbühler schiesst, handelt es sich dem Vernehmen nach um ein enttäuschtes Vorstandsmitglied einer Kreispartei.

Quelle: Daniel Fritsche | nzz.ch

 

Ob für Besetzer auf dem Koch-Areal oder für Homosexuelle: Markus Hungerbühler findet, dass für alle die gleichen Rechte gelten sollen. (Bild: Christoph Ruckstuhl/NZZ)