02.02.2018 / Medien / / ,

Der Hoffnungsträger der CVP

Portrait von Markus Hungerbühler in: Der Landbote, Zürichsee-Zeitung, Zürcher Unterländer, Zürcher Oberländer

Text von Philpp Lenherr

Markus Hungerbühler (CVP) will den einzigen Sitz seiner Partei im Zürcher Stadtrat verteidigen. Als Kandidat der kleinsten Partei im bürgerlichen Wahlbündnis ist er auf die Unterstützung der Wähler von FDP und SVP angewiesen.

Seit bald vier Jahren arbeitet der CVP-Stadtratskandidat Markus Hungerbühler als Geschäftsleiter für den Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen. Vor der am Klusplatz gelegenen Geschäftsstelle steht, auf einen Bauzaun gespannt, ein Wahlplakat des bürgerlichen «Top 5»-Wahlbündnisses. In seinem Büro empfängt uns Hungerbühler zum Gespräch.

Im vergangenen Sommer sorgte der damals frisch gekürte Stadtratskandidat mit seinem Privatleben für Schlagzeilen. Der Partner des 43-jährigen CVP-Politikers ist Vater eines Kindes von einer Leihmutter geworden. Während die sexuelle Orientierung von Hungerbühler kaum je
für viel Gesprächsstoff sorgte, tat es die umstrittene und in der Schweiz nicht erlaubte Leihmutterschaft umso mehr. Mit dem Ende des Sommerlochs ist das Thema dann aber auch wieder aus den Medien verschwunden. «Natürlich tauchen jetzt im Wahlkampf wieder häufiger Fragen
dazu auf, von einzelnen Medien gibt es auch Anfragen für Homestorys», sagt er. Diese würden er und sein Partner aber konsequent ablehnen. «Unserer acht Monate alten Tochter geht es gut, so viel können wir verraten.»

Hungerbühler stammt aus dem Kanton Thurgau und hat an den Universitäten Zürich und Basel Geschichte studiert. Vor seiner Tätigkeit für den Baumeisterverband arbeitete für das Telekommunikationsunternehmen Orange (heute Salt). Hungerbühler ist seit bald zehn Jahren Präsident der CVP Stadt Zürich und seit Juni 2011 im Gemeinderat.

Seit September als Wahlkämpfer auf der Strasse

Nach dem Ende der Sommerferienzeit ist Hungerbühler in den Wahlkampf gestartet. «Seit dem 4. September bin ich praktisch an jedem Arbeitstag frühmorgens, insgesamt an über 100 Tagen, in der Stadt Zürich unterwegs, um Leute anzusprechen und Flyer zu verteilen», sagt er.
Ebenfalls früh unter die Leute gebracht hat er sein 42-seitiges Wahlmagazin. Statt langer Ausführungen zu seinem Werdegang und seinen politischen Positionen enthält es vor allem Fotos: Hungerbühler im Stadthaus, Hungerbühler am Paradeplatz, Hungerbühler auf dem
Sechseläutenplatz, oft telefonierend, meist gut angezogen und nur auf wenigen Bildern fehlt eine Krawatte. Würde sich die Publikation nicht mit dem Titel «Ihre Stimmezählt» als Wahlwerbung outen, ginge sie glatt als Mode- und Lifestylemagazin durch. «Mein Wahlmagazin ist sicher etwas unkonventionell, aber wir wollten etwas Neues ausprobieren. Zudem beschreiben mich die Bilder durchaus passend. Ich mag Krawatten und telefoniere viel», sagt Hungerbühler und lacht.

«Gleiche Rechte für alle» lautet sein Wahlkampfmotto. Damit meint Hungerbühler nicht nur die Rechte von Minderheiten, sondern auch die Abschaffung seiner Ansicht nach unverdienter Privilegien, die einzelnen Gruppierungen in der Stadt Zürich zugestanden werden. «Bei Hausbesetzungen wie auf dem Koch-Areal beispielsweise ist das Vorgehen des Stadtrates viel zu lasch», sagt Hungerbühler. «Wenn ein Wirt im Sommer einen Stuhl einige Zentimeter zu weit auf das Trottoir hinausstellt, ist die Polizei schnell zur Stelle und teilt eine Busse aus. Bei
Hausbesetzern hingegen drückt die politische Führung in vielen Bereichen beide Augen zu.» Auch in anderen Themen übt Hungerbühler Kritik an der Arbeit der jetzigen Stadtregierung. «Die Zusammenlegung der Direktionen der beiden Stadtspitäler beispielsweise haben wir im
Gemeinderat schon vor Jahren vergeblich gefordert. Es hiess immer, das gehe aus diesen und jenen Gründen nicht. Und jetzt, wo der Druck angesichts der schlechten finanziellen Entwicklung bei den Stadtspitälern hoch genug ist, geht es plötzlich doch.» Der Stadtrat habe hier viel zu lange zu wenig Führungsqualitäten an den Tag gelegt.

«In den städtischen Themen sind wir uns einig»
Hungerbühler soll als Nachfolger des zurücktretenden Gerold Lauber den Sitz der CVP im Stadtrat verteidigen. Ohne starke Unterstützung der Wählerinnen und Wähler der anderen bürgerlichen Parteien wird das schwierig. «In den städtischen Themen sind wir uns im bürgerlichen Lager grundsätzlich einig», sagt Hungerbühler. In Einzelfragen gebe es natürlich Abweichungen. «Wenn das nicht so wäre, könnten die drei Parteien ja gleich fusionieren.» Hungerbühler räumt ein, dass das erklärte Ziel der Bürgerlichen, die Mehrheit im Stadtrat zu erringen, hoch gesteckt sei. «Natürlich wird das schwierig. Aber wir treten an, um zu gewinnen.» Falls er in einen weiterhin linksgrün dominierten Stadtrat gewählt würde, könne er sich aber wohl mit der Situation arrangieren. «Im Vordergrund stehen so oder so die Interessen der Stadt.»