04.07.2017 / Medien / /

CVP setzt auf Markus Hungerbühler

Im internen Rennen um die Stadtratskandidatur der CVP machte Markus Hungerbühler am Dienstagabend vor Nicole Barandun das Rennen. Der Stadtparteipräsident verspricht einen engagierten und lustvollen Wahlkampf.

Die CVP der Stadt Zürich will den Sitz des zurücktretenden Stadtrats Gerold Lauber mit Markus Hungerbühler verteidigen. Dies haben die Delegierten am Dienstagabend entschieden. Er bekam 35 Stimmen, seine Kontrahentin Nicole Barandun kam auf 24 Stimmen.

Zur Wahl standen zwei Persönlichkeiten, die sich beide in der internen Kür gute Chancen ausrechnen konnten und von den Delegierten durchwegs als valabel bezeichnet wurden. Nicole Barandun, 1968 geboren, ist Rechtsanwältin und Präsidentin des Gewerbeverbands der Stadt Zürich. Sie war knapp drei Jahre lang Kantonsrätin und präsidiert heute die Kantonalpartei.

Markus Hungerbühler auf der andern Seite, geboren 1974, Historiker und Geschäftsleiter des Baumeisterverbands Zürich und Schaffhausen. Er ist Gemeinderat und Präsident der Stadtpartei.

Wer holt zusätzliche Stimmen?

Die beiden hatten sich mit sehr unterschiedlichen Ansprachen präsentiert. Nicole Barandun stellte sich als gute Kommunikatorin vor und bewies dies auch gleich mit ihrer Rede. Man erwarte von Politiker heute Authentizität, Ehrlichkeit und Direktheit, weshalb sie auch gern auf hohle Phrasen verzichte.

Sie sei stolz auf die Partei und ihre Menschen und werde sich im Wahlkampf engagiert für sie einsetzen. «Ich hoffe, man nimmt mir die Politik der CVP ab». Als berufstätige Mutter verkörpere sie eine heute übliche Frauenbiografie und werde deshalb auch die eine oder andere unabhängige Stimme holen können.

Markus Hungerbühlers Präsentation kam deutlich traditioneller daher: Er zählte die politischen Themen und Erfolge der letzten Jahre auf und sagte, dass er für eine verlässliche und vertrauenswürdige Politik stehe. Zudem sei er gut vernetzt in Wirtschafts- und Verbandskreisen. Hungerbühler versprach vollen Einsatz und einen lustvollen Wahlkampf.

Die CVP, die bei den letzten Wahlen einen Anteil von nur gerade 4,6 Prozent erreicht hat, ist auf Stimmen anderer Parteien angewiesen. Sie wird stark von den beiden stärkeren Partnern FDP und SVP profitieren, mit denen sie in ein bürgerliches Bündnis eingebunden ist. Am Ende fehlen aber noch rund 8000 unabhängige Stimmen zu einer Wahl, wie an diesem Abend mehrmals vorgerechnet wurde. Der amtierende CVP-Stadtrat Gerold Lauber fand, Nicole Barandun habe bessere Chancen, diese unabhängigen Wählerinnen und Wähler anzusprechen. Dass er sich überhaupt in die Diskussion einmischte, kam allerdings nicht bei allen Delegierten gut an.

CVP im Gegenwind

Für Barandun sprachen sich einige Frauen unter den Delegierten aus. Im heutigen Stadtrat fehle eine Frau mit Erfahrungen als berufstätige Mutter, wurde etwa gesagt. Die Unterstützer von Markus Hungerbühler erwähnten unter anderem, dass er gut organisiert, engagiert und verlässlich sei und die Dossiers der städtischen Politik gut kenne.

Die CVP wird bei den Wahlen kämpfen müssen, denn momentan steht die Partei in starkem Gegenwind. Bei den zwölf kantonalen Wahlen in dieser Legislatur hat sie nicht weniger als 22 Sitze in Parlamenten verloren. «Es geht um alles», sagte auch Markus Hungerbühler, der daran erinnerte, dass auch die CVP an der 5-Prozent-Hürde scheitern könnte wie vor vier Jahren die EVP.

Quelle: Adi Kälin | nzz.ch