24.10.2017 / Wocheninterview / Steuern /

«Carparkplatz nicht beim Hauptbahnhof»

Markus Hungerbühler, der Bundesrat will nationale Fernbusse zulassen. Das wird Zürich zusätzlich belasten. Wie soll die Stadtregierung reagieren?

Busreisen sind in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht Standard. Wir haben ein gut ausgebautes Bahnsystem, das fast keine Wünsche offenlässt. Dennoch begrüsse ich den Entscheid des Bundesrates. Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Stadtregierung wäre allerdings gut beraten, sich Gedanken zu machen, ob man den Carparkplatz beim HB von heute nicht an einen anderen, besser geeigneten Ort verschieben könnte.

Im Niederdorf macht eine Mieterin eine günstige, städtische  Wohnung der Stadt auf Airbnb zum Geschäft. Ein Missbrauch von vielen oder eine neue Tendenz?

Meines Erachtens sollte ein solches «Geschäftsmodell» unterbunden werden. Es darf nicht sein, dass sich eine Privatperson zu guter Letzt über ein solches Konstrukt eine goldene Nase verdient. Die entscheidende Frage ist doch: Braucht die Stadt überhaupt all diese Wohnungen und sind sie auch an die richtigen Personen vermietet?

Die Universität Zürich gibt Spenden ab einem Betrag von über 100 000 Franken ab 2019 öffentlich bekannt. Ist das sinnvoll? 

Ja, ich begrüsse ganz grundsätzlich Transparenz. Das verhindert Unklarheiten und Gerüchte.

Die Zürcher Kantonsregierung will den Steuerfuss bei 100 Prozent belassen. Ist das richtig?

Angesichts der Kantonsfinanzen ist das richtig. Es ist wichtig, dass Steuern nicht jedes Jahr verändert werden. Konstanz ist wichtig.

Jeden Tag sterben in Russland 80 Personen an Aids, weil das Gesundheitssystem versagt. Das ist doch unglaublich!

Es macht vor allem die katastrophalen Zustände im russischen Gesundheitswesen und im Sozialsystem sichtbar. Offensichtlich hat nur ein kleiner Teil der erkrankten Personen Zugang zu den dringend benötigten Medikamenten. Diktaturen neigen seit jeher dazu, unangenehme Wahrheiten und Probleme zu verbergen bzw. zu vertuschen.

 

Interview: Anton Ladner, Redaktionsleiter «Doppelpunkt»