17.08.2018 / Medien / /

Artikel von Markus Hungerbühler in der Zürcher Wirtschaft

Gute Lösung für Jung und Alt gesucht.

Bauarbeiter gehen heutemit 60 in Rente. Dochnun bedroht eine Unterdeckung die Frühpensionierung, die ohne echte Sanierungsmassnahmen nichtmehr finanzierbar ist. DasThema Frührente Baubewegt das Bauhauptgewerbe stark, liegt doch der Altersdurchschnitt höher als in anderen Branchen.

Der Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen ist stolz darauf, dass Maurer und Strassenbauer von einemeinmaligen Pioniermodell profitieren, von dem die Angestellten in vielen anderen Branchen nur träumen können: die Rente mit 60 für Bauarbeiter. Seit 2003 erhält jeder Bauarbeiter eine Überbrückungsrente ausbezahlt, die 20 bis 30 Prozent höher ist als die staatlichen Altersleistungen, welche die Bauarbeiter dann ab dem Alter 65 ausbezahlt
bekommen. In allen anderen Frühpensionierungssystemen ist es gerade umgekehrt. Angesichts der demografischen Entwicklung kann dieses hohe Leistungsniveau – Bauarbeiter erhalten bis zu 80 Prozent ihres letzten Grundlohns ausbezahlt – von der Stiftung für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (FAR) aber kaum mehr gestemmt werden. Bereits heute weist sie mit 93,7 Prozent eine Unterdeckung aus.

Lehre aus 2016 ziehen

Der Verband bekennt sich zum flexiblen Altersrücktritt FAR ab 60 – heute und auch in Zukunft. Gerade deshalb brauchen wir eine echte Sanierung, mit der das Rentenalter 60 bestmöglich beibehalten werden kann. Schon 2016 war die Frühpensionierung finanziell angeschlagen. Einseitig wurden damals die Beiträge um zwei Lohnprozente erhöht. Erfolglos: Bereits heute stehen wir wieder vor denselben Problemen. Es braucht dringend eine echte und auch leistungsseitige Sanierung, damit dieses Rentensystemwieder auf gesundem Boden steht. Leider sehen das die Gewerkschaften anders. Sie blockieren vorhandene nachhaltige Lösungen, mit denen eine Pensionierung ab 60 weiterhin möglich wäre, und fordern stattdessen realitätsfremd höhere Lohnabzüge.

(Zu) hohe Lohnabzüge

Dabei haben mit total 7 Lohnprozenten die Beiträge für die FARLeistungen längst eine kritische Höhe erreicht; insbesondere jene 5,5 Lohnprozente, die von den Arbeitgebern finanziert werden. FAR-Beiträge sind zwar für  Unternehmen in der Schweiz allgemeinverbindlich, europaweit indes aber einmalig. Unternehmen mit Sitz im Ausland kennen und finanzieren keine solchen Überbrückungsrenten für Bauarbeiter ab 60. Auch dann nicht, wenn die Firmen ihren Sitz in einem Nachbarland haben und Aufträge in der Schweiz ausführen.

Den Schweizer Baumeistern entsteht somit schon heute ein Wettbewerbsnachteil von 5,5 Lohnprozent pro Mitarbeiter, den sie selber berappen müssen. Eine weitere Erhöhung der FAR-Lohnbeiträge würde Schweizer Unternehmen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld diskriminieren und einheimische Arbeitsplätze schwächen und vernichten. Das darf nicht sein!

Familienväter nicht vergessen

Wir brauchen vielmehr eine generationengerechte Lösung, die Jung und Alt gleichermassen zugutekommt, sprich den Bedürfnissen des jungen Familienvaters und der jungen Familienmutter ebenso entspricht wie denjenigen des langjährigen Bauarbeiters, der in absehbarer Zeit seinen 60. Geburtstag feiern wird. Gerade die Mitarbeiter unter 50 sollten bei der Diskussion über die Frührente Bau nicht vergessen gehen. Selbst wenn auf dem Bau die höchsten Handwerkerlöhne bezahlt werden und der Durchschnittslohn beachtliche 6000 Franken beträgt, steht ausser Frage, dass für jüngere Maurer und Strassenbauer jeder zusätzliche Lohnabzug einen Eingriff ins Familienbudget bedeutet. Anders als 2016 sollte diesmal auf einen weiteren Lohnabzug verzichtet werden.

Starke Ü50-Generation

Doch in der öffentlichen Diskussion dominieren derzeit die Stimmen der Ü50-Generation. Denn diese Altersgruppe nimmt auf den Baustellen eine wichtige Stellung ein. Wussten Sie, dass der Altersdurchschnitt im Bauhauptgewebe
höher ist als in anderen Handwerksberufen oder etwa in der Bankenwelt?

Die 50- bis 60-Jährigen sind die grösste Altersgruppe auf dem Bau. Das hat Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass langjährige Mitarbeiter mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how ein Gewinn für jede Baufirma sind und dank ihnen
Qualität und Kontinuität auf dem Bau garantiert sind. Der Nachteil ist, dass tausende Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren ihren 60. Geburtstag feiern und zu Recht Anspruch auf die hohen FAR-Leistungen erheben werden
– eine nachhaltige Sanierung der Stiftung FAR wird dadurch umso dringender.

Für ein flexiblesModell

Der Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen setzt sich deshalb dafür ein, dass die Sanierung der Stiftung FAR leistungsseitig angepackt wird. Konkret streben wir ein flexibles Modell an, bei dem die Bauarbeiter individuell zwischen einer Erhöhung des Rentenalters um einige Monate oder einer Anpassung der Rentenbezüge wählen können. Mit unseren Sanierungsvorschlägen wäre es weiterhin möglich, ohne Rentenkürzung, aber mit 61 in Rente zu gehen. Wer sichmit 60 pensionieren lassen will, hätte je nach Variante zwischen 15 und 25 Prozent weniger Rente. Selbst in diesem Fall wären die FAR-Auszahlungen immer noch grosszügiger als die staatlichen Altersleistungen. Angesichts
der Tatsache, dass wir eine Branche mit vielen langjährigen Mitarbeitern und hohem Altersdurchschnitt sind, sollten alle Akteure des Bauhauptgewerbes genug Motivation haben, das FAR-Problem endlich nachhaltig zu lösen statt erneut zu vertagen – zum Wohl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Quelle: kgv.ch

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